Vom Schachkränzchen zum Café Größenwahn
Als Gründungstag werden sowohl der 18. als auch der 28. Dezember 1836 überliefert.
In einer älteren Rangfolge des Deutschen Schachbundes steht der Münchener SC 1836 hinter der Berliner Schachgesellschaft von 1827 und dem Hamburger Schachklub von 1830 an dritter Stelle der ältesten noch bestehenden deutschen Vereine.
Der Anfang lag in einem Schachkränzchen im Café Kastner im Heiliggeistgässchen nahe dem Viktualienmarkt. Offiziere, Kaufleute und Beamte bildeten einen gesellschaftlich abgeschlossenen Kreis, der keineswegs automatisch wuchs: Rund vierzig Jahre nach der Gründung scheiterte sogar eine Abstimmung über die Auflösung daran, dass nur vier Mitglieder erschienen waren.
1925 hatte der Verein 235 Mitglieder und spielte im Café Stefanie. Das als Café Größenwahn bekannte Haus war um 1900 ein Treffpunkt der Münchner Bohème, besonders von Kunst- und Literaturschaffenden.
Damit berührte die Vereinsgeschichte einen prägenden Teil der städtischen Kaffeehauskultur.
Unzickers Meistermannschaft
Nach dem Zweiten Weltkrieg sammelte der Verein versprengte Schachspieler und Kriegsheimkehrer neu. Aus diesem Wiederaufbau entstand eine prägende sportliche Epoche seiner Geschichte.
Der Münchener SC gewann die deutsche Mannschaftsmeisterschaft zunächst viermal von 1951 bis 1954 und danach nochmals viermal von 1962 bis 1965. Wolfgang Unzicker gehörte zur Meistermannschaft von 1953; die Süddeutsche Zeitung beschreibt ihn als die prägende Kraft hinter den acht Titeln.
Krisen und ein neuer Zusammenschluss
Der Abstand zwischen historischem Rang und Vereinsalltag zeigte sich später deutlich. 1995 geriet der Verein in finanzielle Schwierigkeiten, und 2010 spielte er nur noch in der Münchner B-Klasse, die im damaligen Bericht als reines Amateurschach beschrieben wurde; die Süddeutsche Zeitung charakterisierte den Verein für dieses Jahr als beinahe am Ende.
Im Herbst 2016 fusionierte der Münchener Schachclub 1836 mit dem Schachklub Siemens München. Heute bietet der Verein wieder regelmäßiges Schach vor Ort in München und heißt Anfänger ebenso willkommen wie Titelträger.
Die lange Geschichte erscheint deshalb weniger als gerade Erfolgslinie denn als Folge mehrerer Neuanfänge.
Quellen
- 1.Münchener Schachclub 1836 - Startseite, Münchener Schachclub 1836 e.V.
- 2.MSC 1836 - Kontakt, Münchener Schachclub 1836 e.V.
- 3.MSC 1836 - Impressum, Münchener Schachclub 1836 e.V.
- 4.Münchener SC 1836 - Vereinsübersicht 2025/26, Schach-Bezirksverband München e.V.
- 5.Die ältesten, noch bestehenden deutschen Schachvereine, Deutscher Schachbund e.V.
5 weitere Quellen anzeigen
- 6.Der Tradition verpflichtet ..., Deutscher Schachbund e.V.
- 7.Münchener Schachclub 1836 - Wie damals im Café Größenwahn, Süddeutsche Zeitung
- 8.Deutsche Schach-Mannschaftsmeisterschaften, Deutscher Schachbund e.V.
- 9.Schachklub Siemens München e.V., Schachklub Siemens München e.V.
- 10.Das Wiener Café Stefanie: Sehen und gesehen werden, Zentralinstitut für Kunstgeschichte
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