Erklärung
Adolf Anderssen (1818-1879) war ein deutscher Schachmeister und Lehrer. Er wurde zu einer der prägenden Figuren des Schachs vor Einführung der offiziellen Weltmeisterschaft. Sein Sieg in London 1851 brachte ihm internationale Anerkennung. Heute erinnert man sich besonders an die Unsterbliche Partie und die Immergrüne Partie. Seine Ergebnisse über mehrere Jahrzehnte zeigen jedoch eine Wettkampfkarriere, die weit über diese beiden Kombinationen hinausging.
Siege vor Einführung eines Weltmeisterschaftszyklus
Das internationale Turnier von London 1851, das vorantrieb, vereinte ein für die damalige Zeit ungewöhnlich starkes Teilnehmerfeld. Anderssen gewann und galt daraufhin vielen als stärkster Spieler seiner Zeit. Es gab noch keinen internationalen Verband, der die Qualifikation organisierte, und keinen Weltmeistertitel mit der späteren formalen Kontinuität. Solche Einschätzungen stützten sich auf bedeutende Begegnungen und die Anerkennung durch andere Meister.
1858 verlor er seinen Wettkampf gegen deutlich, blieb aber in der Weltspitze. 1862 gewann er erneut in London und 1870 in Baden-Baden, als er bereits über fünfzig war. 1866 verlor er auch einen Wettkampf gegen . Seine Laufbahn überspannt somit mehrere Generationen und widerlegt die irrige Vorstellung, dass die Niederlage gegen Morphy seiner Bedeutung ein Ende gesetzt habe.
Die Unsterbliche und die Immergrüne Partie
Die gegen Lionel Kieseritzky in London 1851 war eine freie Partie und gehörte nicht zu den Partien, die das Turnier entschieden. Berühmt wurde sie durch den Angriff, bei dem Anderssen große Materialverluste zuließ, um ein Mattnetz aufzubauen. Lehrreich ist die Frage, wie seine verbliebenen Figuren die entscheidenden Felder besetzten und dem König keine brauchbaren Antworten ließen.
Die gegen Jean Dufresne von 1852 bietet einen weiteren Zugang zu seiner kombinatorischen Fantasie. Die Opfer öffnen Linien und halten Drohungen aufrecht, die den Verteidiger daran hindern, sein Mehrmaterial zu nutzen. Beide Partien tragen ehrende Namen. Diese sind weder eine wissenschaftliche Bewertung jedes einzelnen Zuges noch eine Garantie dafür, dass jede mögliche Verteidigung von Anfang an verloren war.
Was seine Angriffe vermitteln
Anderssen ist ein Vertreter der , die mit offenem Spiel und Opfern verbunden wird. Ein sinnvolles Opfer kann einen Verteidiger ablenken, eine Diagonale öffnen oder die nötige Zeit gewinnen, um eine weitere Figur ins Spiel zu bringen. Sein Wert hängt von den Folgen ab. Kann der Gegner einen Teil des Materials zurückgeben, die Angriffsfiguren tauschen oder mit dem König entkommen, muss die Kombination neu geprüft werden.
Deshalb untersucht man seine Partien am besten von der Stellung vor dem brillanten Zug aus. Es lohnt sich, den verwundbaren König zu bestimmen, versperrte Linien zu erkennen und zu berechnen, was geschieht, wenn der Gegner das Opfer ablehnt. Gerade diese letzte Frage ist wichtig: Ein spektakulärer Zug kann in der Praxis äußerst schwer zu beantworten sein, ohne gegen jede Verteidigung einen Gewinn zu erzwingen.
Auch seine Wettkampferfolge gehören zum Vermächtnis
Seine Arbeit als Lehrer und Problemkomponist hilft, seine Vorliebe für geometrische Ideen und präzise Zugfolgen einzuordnen. Sie erklärt jedoch nicht automatisch jede Entscheidung am Brett. Sein Vermächtnis verbindet taktische Schönheit mit langjähriger Wettkampfstärke. Wer nur seine Mattkombinationen studiert, erhält ein unvollständiges Bild. Der Vergleich seiner Siege mit den Wettkämpfen gegen Morphy und Steinitz zeigt, wie sich die Anforderungen an Entwicklung, Verteidigung und Planung in der Mitte des 19. Jahrhunderts veränderten.
Kommentierte Partien
Spiele historische Partien nach
London, 1851. Freie Partie. Der genaue Tag und Spielort sind weiterhin umstritten.
Anderssen gegen Kieseritzky, London 1851
Du spielst als Adolf Anderssen, Weiß
Koordiniere Bauern und Figuren gegen eine exponierte Dame, ohne die Kosten der Opfer aus den Augen zu verlieren.
1852. Traditionell als freie Partie in Berlin verortet. Die frühesten in der historischen Untersuchung herangezogenen Zeugnisse belegen den Spielort jedoch nicht.
Anderssen gegen Dufresne, die Immergrüne Partie von 1852
Du spielst als Adolf Anderssen, Weiß
Verwandle Entwicklungstempi in zentrale Aktivität und berechne einen Angriff, bei dem beide Könige bedroht sind.
Quellen
- 1.Adolf Anderssen, Edward Winter, Chess Notes
- 2.The Immortal Game, Edward Winter, Chess Notes
- 3.Anderssen, Adolf, Deutsche Biographie
- 4.An Adolf Anderssen anniversary, ChessBase
