Erklärung
Judit Polgár, geboren 1976 in Ungarn, gilt als die stärkste Schachspielerin der Geschichte. Sie gehörte zu den ersten zehn der allgemeinen Weltrangliste und erreichte 2005 eine Wertungszahl von 2735. Ihre Karriere spielte sich vor allem im offenen Turnierbetrieb ab. Ihre Bedeutung hängt daher nicht von einem Frauenweltmeistertitel ab: Sie gewann diesen Titel nicht und richtete ihre Laufbahn auch nicht darauf aus.
Familiäre Ausbildung und ein eigenes Ziel
Judit wuchs in einer Familie auf, die dem Erlernen des Schachs außerordentlich viel Aufmerksamkeit widmete. Auch ihre Schwestern und Sofia waren starke Spielerinnen. Dieses Umfeld gehört zum Kontext ihrer Entwicklung, macht die Erfahrung einer einzelnen Familie aber nicht zu einem allgemeingültigen Rezept für die Ausbildung von Weltmeistern.
Sie wirkte an Ungarns Erfolgen bei den Frauenolympiaden 1988 und 1990 mit. Danach konzentrierte sie sich auf offene Turniere, um regelmäßig gegen die stärkste Konkurrenz zu spielen. 1991 erhielt sie mit fünfzehn Jahren den allgemeinen Großmeistertitel und unterbot den Altersrekord, den zuvor gehalten hatte.
In die allgemeine Weltspitze aufsteigen
Ihr Aufstieg auf Platz acht der Weltrangliste und über die Marke von 2700 beruhte auf beständigen Ergebnissen gegen Spitzenspieler. Das Elo-System misst relative Wettkampfergebnisse. Es ist weder ein Intelligenzwert noch lässt sich ein zahlenmäßiger Vorsprung automatisch in einen sicheren Sieg übersetzen.
2005 spielte sie im Turnier von San Luis, das die FIDE-Weltmeisterschaft entschied. Diese Teilnahme gehört in den Kontext des geteilten Titels vor der Wiedervereinigung 2006. Im Laufe ihrer Karriere besiegte sie zahlreiche amtierende und ehemalige Weltmeister in klassischen oder Schnellschachpartien. Die Bedenkzeiten zu unterscheiden ist wichtig, um jedes Ergebnis genau zu beschreiben.
Wie sie einen Angriff aufbaute
Polgár suchte Aktivität und Stellungen, in denen ihre Figuren konkrete Drohungen schaffen konnten. Ihre bekanntesten Opfer funktionieren, weil sie Linien öffnen, Verteidiger beseitigen oder einer weiteren Figur das Eingreifen mit Tempo erlauben. Die abschließende Kombination ersetzt weder die Entwicklung noch den Kampf um das Zentrum. Oft ist sie deren Folge.
Eine hilfreiche Methode beim Studium ihres Spiels besteht darin, die noch nicht beteiligte Figur zu verfolgen. Braucht ein Turm eine Linie oder ein Springer ein vorgeschobenes Feld, kann die Angriffsvorbereitung darin liegen, diesen Zugang zu schaffen. Ein Bauernvorstoß kann Raum gewinnen, dem Gegner aber zugleich einen Ansatzpunkt für einen Bauernhebel bieten. Deshalb muss jeder Plan gegen eine aktive Verteidigung geprüft werden.
Die Bereitschaft zu Komplikationen verlangt auch zu erkennen, wann man den Angriff beenden sollte. Hinterlässt ein Tausch Materialvorteil oder ein günstiges Endspiel, kann das Beharren auf Matt das Erreichte verspielen. Ihre Partien zeigen, dass Angriffskraft und Technik einander ergänzende Mittel und keine unvereinbaren Stile sind.
Nach dem Wettkampfschach
2014 zog sie sich aus dem Wettkampfschach zurück, nachdem sie zur ungarischen Mannschaft gehört hatte, die bei der Olympiade Silber gewann. Danach entfaltete sie über ihre Stiftung und ihr internationales Festival eine umfangreiche Tätigkeit in Lehre, Schachvermittlung, Turnierkommentierung und Organisation. Ihre autobiografischen Bücher verbinden Partien mit Erklärungen ihres Lernprozesses.
Ihre Laufbahn hilft, Frauenwettbewerbe von offenen Wettbewerben zu unterscheiden: Letztere stehen jedem Geschlecht offen. Sie zeigt auch, warum es keinen vorgeschriebenen Schachstil für Frauen gibt. Polgárs Vermächtnis wird durch ihre konkreten Entscheidungen und die Stärke ihrer Gegner sichtbar, ebenso wie durch ihre historische Rolle dabei, die Vorstellungen darüber zu erweitern, wer die Weltspitze erreichen kann.
Verwendung und Kontext
Ihre Karriere hilft, die Frauenweltmeisterschaft vom offenen Wettbewerb zu unterscheiden, der Frauen nicht ausschließt.
Häufige Verwechslungen
Judit Polgár war Weltmeisterin der Frauen
Das war sie nicht. Sie spielte hauptsächlich in offenen Wettbewerben und prägte die Schachgeschichte, indem sie die Spitze der allgemeinen Weltrangliste erreichte.
Quellen
- 1.Judit Polgar, World Chess Hall of Fame
- 2.Judit Polgar Press Kit, Judit Polgar
- 3.Judit Polgar Chess Foundation, Judit Polgar
