Erklärung
Im Schach bezeichnet Material die verfügbaren Figuren. Mattmaterial ist ein praktischer Ausdruck für die Frage, ob ein Spieler schließlich Schachmatt setzen kann, also den gegnerischen König so angreifen kann, dass keine regelkonforme Antwort existiert.
Wenn die Zeit eines Spielers abläuft, was das Fallblättchen der Uhr anzeigt, fragt die internationale Regel nicht, ob ein Spieler das Matt gegen beste Verteidigung erzwingen kann. Sie fragt, ob ein Matt durch irgendeine mögliche Folge regelkonformer Züge entstehen könnte. Gibt es keine solche Folge, endet die Partie statt mit einem auf Zeit.
Warum eine feste Figurenliste nicht genügt
König und Dame oder König und Turm können einen alleinigen König mattsetzen. Ein König mit nur einem Läufer oder nur einem Springer kann einen völlig alleinigen König dagegen nicht mattsetzen. Die verbleibenden Figuren des Verteidigers sind jedoch ebenfalls wichtig: Sie können Fluchtfelder blockieren und eine Mattstellung ermöglichen, die gegen einen alleinigen König unmöglich wäre.
Dieselbe Möglichkeitsprüfung gilt, wenn ein Spieler in einer Stellung aufgibt, in der der Gegner durch keine regelkonforme Zugfolge mattsetzen könnte. Mattmaterial ist daher eine Eigenschaft der gesamten Stellung und nicht nur die Figurenanzahl des Angreifers oder eine Bewertung dessen, wer besser steht.
Häufige Verwechslungen
Matt erzwingen und Matt ermöglichen
Ein erzwungenes Matt muss jede Verteidigung überwinden. Für die regeltechnische Möglichkeitsprüfung genügt eine einzige regelkonforme Zugfolge, die mit Schachmatt endet.
Materialvorteil und Mattmaterial
Mehr Figuren oder ein höherer Figurenwert beweisen nicht, dass Matt möglich ist. Eine als remis bewertete Stellung kann technisch dennoch eine kooperative Mattfolge zulassen.
Quellen
- 1.Article 5: The Completion of the Game, FIDE Rules Commission
- 2.Article 6: The Chessclock, FIDE Rules Commission
