Erklärung
Seirawan-Schach verwendet das gewöhnliche 8-mal-8-Brett und beginnt aus der normalen Stellung. Jede Seite erhält außerdem zwei Figuren, die außerhalb des Bretts warten: einen Falken und einen Elefanten. Yasser Seirawan und Bruce Harper schufen die Variante 2007.
Die beiden neuen Figuren
- Der Falke verbindet die Zugweisen von Läufer und Springer. Er kann bei freiem Weg beliebig weit diagonal gleiten oder im L-förmigen Muster des Springers springen.
- Der Elefant verbindet die Zugweisen von Turm und Springer. Er kann bei freiem Weg beliebig weit auf einer Reihe oder Linie gleiten oder wie ein Springer springen.
Es sind Verbundfiguren, weil jede die Kräfte zweier vertrauter Figuren vereint. Ihre Zugweisen entsprechen Erzbischof und Kanzler im , doch im Seirawan-Schach tragen sie andere Namen und gelangen auf andere Weise ins Spiel.
Eintritt aus der Reserve
Der kennzeichnende Mechanismus heißt Gating. Eine Reservefigur tritt dabei durch ein gerade frei gewordenes Feld ein. Wenn eine Figur, die auf der Grundreihe begann, also auf der Reihe mit König und den übrigen Nichtbauern, ihr ursprüngliches Feld zum ersten Mal verlässt, darf der Spieler einen verfügbaren Falken oder Elefanten auf das soeben geräumte Feld setzen. Das Einsetzen ist Bestandteil desselben Zuges.
Dies ist kein freies Einsetzen auf ein beliebiges Feld. Die Möglichkeit besteht nur, wenn eine ursprüngliche Grundreihenfigur ihr Ausgangsfeld erstmals verlässt. Ziehen diese Figuren oder werden sie geschlagen, ohne die Reserven hereinzulassen, verschwinden die entsprechenden Tore. Ein Falke oder Elefant, der nie eintritt, kann während der gesamten Partie außerhalb des Spiels bleiben.
Während der , dem gemeinsamen Sonderzug von König und Turm, darf der Spieler eine Reservefigur auf dem ursprünglichen Königsfeld oder dem ursprünglichen Feld des beteiligten Turms einsetzen, aber nicht auf beiden. Ein Bauer, der die letzte Reihe erreicht, darf neben den üblichen Möglichkeiten auch in einen Falken oder Elefanten umwandeln, also durch eine stärkere Figur ersetzt werden.
Was die Variante dem Spiel hinzufügt
Die Entwicklung einer Figur, also ihr Wegzug vom Ausgangsfeld zur aktiven Teilnahme, kann zugleich eine mächtige neue Figur einführen. Die Zugreihenfolge verwaltet deshalb nicht nur die gewöhnliche Entwicklung, sondern auch Gating-Möglichkeiten. Eine zurückgehaltene Reserve bewahrt Flexibilität, doch zu langes Warten kann alle verfügbaren Tore schließen.
Die vertraute Ausgangsstellung erleichtert den Einstieg, doch die Verbundfiguren verändern die Angriffsgeometrie rasch. Ein Turm, Läufer oder eine Dame, die die Grundreihe verlässt, kann eine Linie öffnen und sofort Unterstützung von der neu eingesetzten Figur erhalten.
Häufige Verwechslungen
Die Reservefiguren sind keine gewöhnlichen Einsetzfiguren
Ein Falke oder Elefant kann nur eintreten, wenn eine ursprüngliche Grundreihenfigur ihr Ausgangsfeld zum ersten Mal verlässt.
Der Elefant zieht nicht wie ein Läufer
In dieser Variante verbindet der Elefant Turm- und Springerzug. Der Falke verbindet Läufer- und Springerzug.
Quellen
- 1.Seirawan Chess Rules, Yasser Seirawan
- 2.S-chess (Seirawan Chess, SHARPER Chess), PyChess
