Erklärung
Michail Botwinnik (1911-1995) war der sechste Schachweltmeister und prägte die Festigung der sowjetischen Schule entscheidend. Er trug den Titel in drei Zeiträumen: 1948-1957, 1958-1960 und 1961-1963. Sein Vermächtnis umfasst seine Partien, die Ausbildung anderer Spieler und ein Verständnis von Training als organisierter Arbeit, die weit über die eigentliche Wettkampfzeit hinausgeht.
Ein Weltmeister aus einem Turnier
Nach dem Tod von 1946 war der Titel vakant. Die FIDE veranstaltete 1948 ein Turnier, um den neuen Weltmeister zu ermitteln. Botwinnik gewann es. Dieses Verfahren bedeutete eine Abkehr von den Herausforderungen, deren Bedingungen direkt mit dem Titelträger ausgehandelt wurden. Seine früheren Turnierergebnisse hatten ihn bereits zu einem der wichtigsten Anwärter gemacht.
Er verteidigte den Titel 1951 gegen und 1954 gegen Wassili Smyslow in unentschiedenen Wettkämpfen. Nach den Regeln behielt der Weltmeister bei einem Gleichstand den Titel. Später verlor er 1957 gegen Smyslow und 1960 gegen , holte den Titel aber in den jeweiligen Rückkämpfen 1958 und 1961 zurück. Diese Rückgewinne erklären seine drei getrennten Amtszeiten.
1963 verlor er gegen Tigran Petrosjan. Damit endete seine Zeit als Weltmeister. Diese fünfzehn Jahre dürfen weder als ununterbrochene Titelträgerschaft beschrieben werden, noch sollte man die regelbedingten Vorteile des Weltmeisters übersehen. Zugleich erforderte die Rückgewinnung des Titels Siege gegen Gegner, die gerade bewiesen hatten, dass sie ihn schlagen konnten.
Stellungen vorbereiten, nicht nur Züge
Botwinnik suchte nach Spielsystemen, deren Ideen er von der Eröffnung bis ins Endspiel verfolgen konnte. Vorbereitung bedeutete für ihn nicht, eine einzelne Zugfolge auswendig zu lernen: Er untersuchte Bauernstrukturen, Figurenaufstellungen und typische Abtauschvorgänge. So konnte er vertraute Probleme erkennen, auch wenn der Gegner die Zugfolge änderte.
Zu seinem Training gehörte es, eigene Fehler zu analysieren und die Schlussfolgerungen in neuen Partien zu überprüfen. Eine Niederlage konnte eine falsche Stellungsbewertung, eine übersehene Variante oder ein praktisches Problem mit Bedenkzeit und Konzentration offenlegen. Wer diese Ursachen unterscheidet, kann gezielt an dem arbeiten, was tatsächlich fehlt. Eine Eröffnung zu wiederholen, ohne zu untersuchen, warum sie gescheitert ist, entspricht nicht der systematischen Methode, die er vertrat.
Sein Stil verband Strategie und Variantenberechnung. Eine scheinbar schwache Struktur konnte offene Linien oder aktive Felder bieten; ein dauerhafter Vorteil konnte einen taktischen Durchbruch erfordern, um konkrete Gestalt anzunehmen. Ihn als wissenschaftlichen Spieler zu bezeichnen, darf deshalb nicht mit mangelnder Fantasie verwechselt werden. Kennzeichnend war sein Bemühen, eine Idee mit einer überprüfbaren Erklärung zu verbinden.
Lehrer und Forscher
Seine Schule wirkte an der Ausbildung von Spielern wie mit. Dieser Einfluss brachte keine Kopien seines Stils hervor: Disziplinierte Analyse konnte auch Schachspielern mit ganz anderen Vorlieben dienen. Der Wert der Methode lag darin, präzise Fragen zu stellen und die eigenen Antworten zu überprüfen.
Botwinnik war außerdem Elektroingenieur und forschte zur Schachprogrammierung. Er interessierte sich dafür, vielversprechende Fortsetzungen auszuwählen und die Entscheidungen eines Spielers zu modellieren. Dieser Ansatz unterschied sich davon, einfach alle Möglichkeiten zu durchsuchen. Seine Projekte gehören zur Geschichte der , auch wenn sich am Ende andere Technologien durchsetzten.
Seine Schriften und Partien zeigen den Zusammenhang zwischen Vorbereitung, Wettkampf und Nachbereitung. Eine sinnvolle Übung besteht darin, den Eröffnungsplan zu bestimmen und die Stelle zu suchen, an der sich der Charakter der Stellung änderte. Zu verstehen, warum ein Plan aufgegeben oder angepasst werden musste, vermittelt mehr, als jeden Sieg ausschließlich auf die Vorbereitung zurückzuführen.
Quellen
- 1.Mikhail Botvinnik, World Chess Hall of Fame
- 2.Mikhail Botvinnik, FIDE Open Chess Museum
- 3.Mikhail Botvinnik, Wikipedia, cited historical sources
- 4.Botvinnik dies, Los Angeles Times
