Erklärung
Die Erinnerung an Schachstellungen wird häufig untersucht, indem ein Brett einige Sekunden lang gezeigt und der Spieler anschließend gebeten wird, die Figuren und Felder zu rekonstruieren. Die Aufgabe misst, wie viel von der Stellung behalten und abgerufen werden kann, nicht ob der Spieler den besten Zug findet.
Erfahrene Spieler erinnern sich gewöhnlich besser an sinnvolle Stellungen aus echten Partien, weil sie zusammenhängende Beziehungen erkennen: Bauern, die einander stützen, gedeckte Figuren, typische Königsstellungen und andere vertraute Konfigurationen. Dies hängt mit zusammen, das es ermöglicht, mehrere verbundene Figuren als eine mentale Einheit darzustellen. Werden die Figuren zufällig verteilt und verschwinden diese Beziehungen, fällt der Vorteil von Experten geringer aus.
Was die Aufgabe tatsächlich verlangt
- Beziehungen zwischen Figuren wahrnehmen, statt eine isolierte Liste von Feldern auswendig zu lernen.
- Zuerst die grobe Struktur behalten und danach Einzelheiten wie Farbe, Figurentyp und genaue Position wiederherstellen.
- Die betrachtete Stellung rekonstruieren, ohne notwendigerweise zukünftige Züge zu berechnen.
Sie ist daher nicht dasselbe wie Blindschach. Beim Blindspiel muss ein Spieler eine Stellung im Gedächtnis halten und bei ausgeführten Zügen fortlaufend aktualisieren. Die Stellungserinnerung kann dagegen eine einzige kurze mentale Momentaufnahme sein. Sie unterscheidet sich auch von , einer Auslassung bei Wahrnehmung oder Entscheidungsfindung und keiner bewussten Gedächtnisaufgabe.
Häufige Verwechslungen
Visualisierung von Varianten
Beim Erinnern wird ein bereits gesehener Zustand wiedergegeben. Bei der Variantenvisualisierung werden zukünftige Zustände erzeugt und aktualisiert, die noch nicht auf dem Brett erschienen sind.
Quellen
- 1.Recall of Briefly Presented Chess Positions and Its Relation to Chess Skill, PLOS ONE
- 2.Expert chess memory: revisiting the chunking hypothesis, U.S. National Library of Medicine
