Erklärung
Die Klassische Schule des Schachs ist eine historische strategische Denkweise, die sich Ende des 19. Jahrhunderts vor allem um Wilhelm Steinitz herausbildete. Statt fast schon aus der Eröffnung heraus direkte Angriffe zu suchen, begründete Steinitz den Ansatz, eine Stellung zunächst nach ihren tatsächlichen Merkmalen zu bewerten und erst dann über Angriff, Verteidigung oder Figurenverbesserung zu entscheiden.
Der Kerngedanke lautet, dauerhafte Vorteile anzusammeln. Dazu gehören etwa eine bessere Bauernstruktur mit weniger Schwächen, Figuren auf nützlicheren Feldern, größere Bewegungsfreiheit oder gegnerische Schwachpunkte, die wiederholt angegriffen werden können. Ein Vorteil muss nicht sofort zum Schachmatt führen, um wertvoll zu sein.
Die Klassische Schule maß auch dem Zentrum, also den zentralen Feldern, von denen aus Figuren viele Brettbereiche beeinflussen können, große Bedeutung bei und bevorzugte häufig dessen Besetzung oder Stützung durch Bauern. Die spätere stellte infrage, dass es sofort besetzt werden müsse, bestritt aber nicht seine Bedeutung.
Als historische Bezeichnung lässt sich die Klassische Schule am besten im Gegensatz zur verstehen. Sie war keine Organisation mit einem einheitlichen Regelwerk, und die mit klassischen Ideen verbundenen großen Spieler spielten nicht alle auf dieselbe Weise.
Häufige Verwechslungen
Klassisches Schach
Die „Klassische Schule“ ist eine historische strategische Denkrichtung. „Klassisches Schach“ kann auch Partien mit langer Bedenkzeit bezeichnen; beides sind verschiedene Begriffe.
Starre Regeln
Klassische Ideen sind Grundsätze zur Stellungsbewertung und keine Gesetze, die immer zur Zentrumsbesetzung oder zum Verzicht auf Opfer zwingen.
Quellen
- 1.Wilhelm Steinitz, Open Chess Museum, FIDE
- 2.Wilhelm Steinitz, the thinker, and the dawning of chess' classical age, ChessBase
