Erklärung
In der Schachkomposition liegt eine Antizipation vor, wenn ein Werk mit einer anderen Komposition identisch ist, die ein früheres Prioritätsdatum besitzt. Die Priorität ergibt sich normalerweise aus der Erstveröffentlichung oder, bei einem formellen Turnier, in dem Einsendungen vor der Veröffentlichung beurteilt werden, aus dem Einsendeschluss, sofern das Werk erstmals im Preisbericht erscheint.
Der Begriff entscheidet über redaktionelle Originalität und Preisberechtigung. Nach dem Codex der World Federation for Chess Composition kann eine vollständig antizipierte Komposition keinen Preis erhalten. Ein teilweise antizipiertes Werk bleibt preisberechtigt, doch der Preisrichter soll berücksichtigen, wie viel seines Inhalts bereits in der früheren Komposition vorhanden war.
Absichtliches Kopieren muss nicht nachgewiesen werden. Zwei Komponisten können dieselbe Konstruktion unabhängig voneinander entdecken, dennoch ist das spätere Werk antizipiert, weil die Regel Identität und Priorität und nicht moralische Schuld betrifft. Ein gemeinsames Thema genügt nicht. Ein neues Problem mit dem , bei dem schwarze Umwandlungen durch entsprechende weiße Umwandlungen beantwortet werden, ist nicht automatisch mit einem früheren identisch.
Verwendung und Kontext
Dies ist ein Begriff aus Veröffentlichung und Beurteilung von Problemen und Studien, nicht die praktische Fähigkeit, einen gegnerischen Zug vorherzusehen.
Häufige Verwechslungen
Antizipation und Plagiat
Antizipation kann ohne Kopieren oder Kenntnis des früheren Werks vorliegen. Ein Plagiat wirft eine andere Frage nach Aneignung und Verhalten des Autors auf.
Gleiches Thema
Zwei Kompositionen können dasselbe Thema verwenden und dennoch verschieden sein. Vollständige Antizipation erfordert eine identische Komposition, nicht bloß thematische Ähnlichkeit.
Quellen
- 1.Codex of Chess Compositions, World Federation for Chess Composition
