Erklärung
Paul Morphy (1837-1884), geboren in New Orleans, war ein Wunderkind, das außergewöhnlich schnell die Spitze des Schachs erreichte. Er gewann 1857 den ersten Amerikanischen Schachkongress und reiste 1858 nach Europa, wo er mehrere der stärksten Spieler des Kontinents besiegte. Seine Überlegenheit war so deutlich, dass viele Zeitgenossen ihn für den besten Spieler der Welt hielten.
Seine Partien sind für Angriffe berühmt, doch die wichtigste Lehre zeigt sich oft vor dem Angriff. Morphy entwickelte seine Figuren schnell, brachte sie also von ihren Ausgangsfeldern auf aktive Felder, kämpfte um Raum im Zentrum und ließ seine Figuren zusammenwirken. Wenn der gegnerische König ungeschützt war oder feindliche Figuren untätig blieben, öffnete er Linien und berechnete direkte Schläge.
Damit steht er historisch der nahe, die für Angriffe und Opfer bekannt ist, also für das freiwillige Geben eines Bauern oder einer Figur zugunsten eines anderen Vorteils. Es wäre jedoch irreführend, Morphy auf Tricks zu reduzieren. Koordination und Timing erklären viele seiner berechneten Angriffsfolgen. Seine Klarheit half späteren Denkern wie , allgemeinere Grundsätze dafür zu formulieren, wann ein Angriff gerechtfertigt ist.
Morphy zog sich nach seiner Rückkehr in die Vereinigten Staaten 1859 praktisch vom ernsthaften Schach zurück. Seine Laufbahn an der Spitze war äußerst kurz, doch seine Partien bleiben besonders klare Beispiele dafür, wie ein Aktivitätsvorteil in einen Angriff umgewandelt wird.
Häufige Verwechslungen
Offizieller Weltmeister
Morphy galt weithin als stärkster Spieler der Welt, doch eine formelle Schachweltmeisterschaft gab es noch nicht. Die Bezeichnung inoffizieller Weltmeister ist rückblickend.
Quellen
- 1.Paul Charles Morphy, World Chess Hall of Fame
- 2.Milestones of 1851/1860: The first International Tournament and the meteoric emergence of Paul Morphy, FIDE Historical Committee
