Erklärung
Wilhelm Steinitz (1836-1900) war der erste offizielle Schachweltmeister. Er gewann 1886 den Wettkampf gegen Johannes Zukertort, der als Beginn der formellen Weltmeisterschaftslinie gilt, und behielt den Titel bis zu seiner Niederlage gegen Emanuel Lasker 1894.
Zu Beginn seiner Laufbahn spielte Steinitz ebenfalls sehr aggressiv, entwickelte später aber eine andere Theorie. Ein Angriff sollte nicht allein begonnen werden, weil er reizvoll aussah. Zuerst mussten Vorteile angesammelt werden, die ihn tragfähig machten. Dies prägte das Positionsspiel, also die Bewertung langfristig wichtiger Merkmale wie Königssicherheit, Figurenaktivität, Bauernstruktur und schwache Felder. Die Bauernstruktur beschreibt die Anordnung der Bauern einer Seite. Ein schwaches Feld lässt sich schwer kontrollieren, oft weil kein eigener Bauer es verteidigen kann.
Die Kernidee war nicht passives Spiel, sondern kleine Vorteile anzusammeln und anzugreifen, wenn die Stellung es rechtfertigt, oder geduldig zu verteidigen, wenn der Gegner die Initiative hat, also Drohungen erzeugt, auf die reagiert werden muss. Diese Sichtweise wurde zu einer Grundlage der und bereitete den Weg für spätere Weltmeister wie , die viele Ideen zur Figurenkoordination und Vorteilsverwertung verfeinerten.
Steinitz verbindet zwei Epochen: die spektakulären Angriffe von Meistern wie und die moderne strategische Analyse. Seine historische Bedeutung beruht deshalb ebenso auf seinen Ergebnissen wie auf seinen Erklärungen dafür, warum bestimmte Stellungen eine Seite begünstigen.
Quellen
- 1.Wilhelm Steinitz, FIDE Open Chess Museum
- 2.Wilhelm (William) Steinitz, World Chess Hall of Fame
