Erklärung
Die Template-Theorie erklärt, wie ein Experte Schachstellungen mit sehr vielen Informationen im Gedächtnis behalten und verarbeiten kann. Ein früherer Ansatz betonte Chunks, also vertraute Gruppen von Figuren und Beziehungen, die das Gedächtnis als eine bedeutungsvolle Einheit behandelt. Mehrere koordinierte Figuren um einen König können beispielsweise als Muster statt als einzelne Objekte erkannt werden.
Die Theorie nimmt an, dass umfangreiche Erfahrung einige dieser Gruppen in größere Strukturen des Langzeitgedächtnisses verwandeln kann, die Templates genannt werden. Ein Template bewahrt eine stabile Organisation und kann zugleich variable Einzelheiten der aktuellen Stellung aufnehmen. Der Experte erkennt dadurch eine allgemeine Konfiguration und registriert außerdem, welche konkreten Figuren bestimmte Felder besetzen oder bestimmte Aufgaben erfüllen.
Was die Theorie erklärt und was nicht
Das Modell hilft zu erklären, warum das Schachgedächtnis von Experten besonders gut bei Stellungen mit bedeutungsvollen schachlichen Beziehungen funktioniert. Es behauptet weder, dass Experten ein fotografisches Gedächtnis besitzen, noch dass sie eine beliebige Figurenanordnung ebenso leicht im Gedächtnis behalten können. Das angesammelte Wissen liefert die Struktur, durch die eine Stellung verständlich wird.
Die Template-Theorie ist eine wissenschaftliche Erklärung des Gedächtnisses, keine Trainingsanweisung und keine Liste auswendig zu lernender Stellungen. Methoden wie die können die Erkennung durch Wiederholung stärken, sind aber nicht die Theorie selbst.
Verwendung und Kontext
Der Begriff gehört zur Psychologie von Expertise und Gedächtnis, wobei Schach eines ihrer zentralen Anwendungsfelder ist.
Häufige Verwechslungen
Fotografisches Gedächtnis
Der Vorteil von Experten beruht auf erlernten schachlichen Beziehungen. Er bedeutet keine exakte, universelle visuelle Kopie jeder Stellung.
Eine Eröffnungsschablone
Template bezeichnet hier eine von einer psychologischen Theorie vorgeschlagene Gedächtnisstruktur, nicht eine feste Figurenaufstellung für das Spiel.
Quellen
- 1.Templates in chess memory: A mechanism for recalling several boards, Elsevier
- 2.Expert chess memory: Revisiting the chunking hypothesis, Psychology Press / Taylor & Francis
