Erklärung
Die Modenesische Schule war keine formelle Akademie. Der Name bezeichnet gemeinsame Tendenzen dreier Autoren des 18. Jahrhunderts, die mit der italienischen Stadt Modena verbunden waren: Ercole del Rio, Giambattista Lolli und Domenico Lorenzo Ponziani.
Ihr kennzeichnender Ansatz strebte eine schnelle Figurenentwicklung an. Entwicklung bedeutet, Springer, Läufer und andere Figuren von ihren Ausgangsfeldern auf aktive Felder zu bringen. Anschließend versuchten sie, Linien und Diagonalen zu öffnen, Bauernbarrieren zu beseitigen und Kräfte gegen den gegnerischen König zu bündeln.
Diese Sichtweise wird oft Philidor gegenübergestellt, der der Bauernformation und dem koordinierten Vorrücken der Bauern größere Bedeutung beimaß. Der Gegensatz darf nicht verabsolutiert werden: Die Autoren aus Modena lehrten keine starre Einheitsdoktrin und erkannten an, dass unterschiedliche Stellungen unterschiedliche Pläne verlangten.
Ihre Analysen halfen, ein Ideal offenen Angriffsspiels zu vermitteln, das das 19. Jahrhundert beeinflusste. Dennoch bezeichnen die Modenesische Schule und die spätere Romantische Schule unterschiedliche historische Zusammenhänge und sind keine austauschbaren Namen.
Häufige Verwechslungen
Eine Schule mit einer festen Doktrin
Die drei Autoren teilten bestimmte Tendenzen, vertraten aber nicht völlig identische Ansichten und gründeten keine formelle Institution.
Quellen
- 1.The Oxford Companion to Chess, Oxford University Press
- 2.Modenese Writers: Lolli, del Rio, Ponziani, Edo Historical Chess Ratings
